Antifaschismus muss gemeinnützig bleiben!

21. September 2026

Berliner Finanzamt reagiert auf rechte Kampagne gegen die VVN-BdA und droht mit Entzug der Gemeinnützigkeit 

Das Berliner Finanzamt für Körperschaften I fordert von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist*innen (VVN-BdA) eine vorzeitige Abgabe der Steuererklärung für die Jahre 2024 und 2025 und droht damit, ihr die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. Begründet wird dieser Schritt damit, „dass auch die aktuelle Kampagne zum AfD-Verbot sowie die damit im Zusammenhang stehenden Aktivitäten der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) e.V. deren Gemeinnützigkeit gefährden kann.“ 

Das ist ein Angriff auf die demokratische Zivilgesellschaft. Für uns ist klar: Engagement gegen die im Kern faschistische AfD ist gemeinnützig – mehr noch: ein AfD-Verbot ist notwendig, um Demokratie und die Achtung der Menschenrechte zu bewahren! Mit dieser Forderung befinden wir uns in guter Gesellschaft von mehr als 1.000 Jurist*innen, die sich damit Anfang August zu Wort gemeldet haben. 

Dieser Angriff kommt, nachdem der rechtskonservative Jura-Professor Boehme-Neßler (SPD-Mitglied und AfD-Apologet) „die Berliner Finanzverwaltung“ unter Stefan Evers (aktuell Spitzenkandidat der Berliner CDU) bereits im Juni aufgefordert hatte, die Prüfung unserer Gemeinnützigkeit zu veranlassen. Anschließend griffen verschiedene extrem rechte Medien von Apollo News über die Junge Freiheit bis Nius und zuletzt die rechtskonservative Tageszeitung DIE WELT dies auf. Das Berliner Finanzamt macht sich nun zum Erfüllungsgehilfen mehrerer Medien im Umfeld der AfD. Die politische Verantwortung dafür trägt der Berliner Finanzsenator Stefan Evers. 

Wir sind dem Erbe der Widerstandskämpfer*innen und Verfolgten des Nazi-Regimes verpflichtet, die unsere Vereinigung 1947 gegründet haben. Das „Nie wieder!“ für das sie zeitlebens standen, verpflichtet uns zum entschiedenen Handeln gegen die AfD – denn sie tritt das geistige und politische Erbe der damaligen Täter*innen an. Sie steht für eine Politik, die die Freiheit und Unversehrtheit aller – in erster Linie jedoch aufgrund von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Behinderung diskriminierter Menschen und ihrer politischen Gegner*innen – bedroht. Sie ist eine Gefahr für die Demokratie, wie zuletzt das umfangreiche und interdisziplinär erarbeitete Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte zeigte. Ihr gegenüber kann es keine Neutralität geben. 

Der heute 94-jährige Holocaust-Überlebende Ernst Grube erlebte als jüdisches Kind Entrechtung, Deportation und die Befreiung aus dem Ghetto Theresienstadt. Er äußert sich entsetzt: „Meine überlebende Mutter Clementine Grube und mein Bruder Werner hatten sich wie ich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes organisiert. Durch sie haben wir politische, moralische Stärkung und Unterstützung erfahren. Gerade als wir Überlebende immer wieder den Einfluss und Nachwirken der zahlreichen NS -Täter in Politik und Behörden spürten und ihm ausgesetzt waren. Zu dieser zutiefst menschlichen Fürsorge der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes gehört heute zuallererst auch das Engagement gegen die in weiten Teilen rechtsextremistische AfD.“ 

Die VVN-BdA ist die älteste antifaschistische Organisation in Deutschland und war bereits wenige Jahre nach ihrer Gründung massiven Repressionen ausgesetzt. Die frühe Bundesrepublik versuchte mehrfach die VVN zu verbieten. In der DDR wurde unsere Vereinigung 1953 zwangsaufgelöst. 2019 wurde schon einmal versucht, uns die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. Auch dank einer breiten gesellschaftlichen Solidarität gelang es uns, zu belegen, dass die Gründe dafür haltlos waren und die Gemeinnützigkeit im Widerspruchsverfahren zurückzuerlangen.  

Die Forderung, faschistische Parteien zu verbieten, gehört für uns zu den notwendigen Lehren aus dem deutschen Faschismus.  2007 starteten wir die Kampagne „nonpd – NPD-Verbot jetzt!“, bei der sich 175.000 Menschen der Forderung nach dem Verbot der damaligen NPD (heute „Die Heimat“) stark machten. Das war nie ein Grund, unsere Gemeinnützigkeit infrage zu stellen. Der Unterschied zwischen NPD und AfD besteht in erster Linie darin, dass die AfD aktuell wesentlich bedeutender und somit gefährlicher ist, als es die NPD je wurde.  

Die Verteidigung der Demokratie und der Menschenwürde bedarf einer lebendigen und kämpferischen Zivilgesellschaft. Dieses Engagement muss gemeinnützig bleiben! 

Antifaschistischer Chor Pir-Moll: Politischer Liederabend zum Spanienkrieg 1936-1939

4. September 2026

17. September 2026, 19:30 Uhr, kaffee konkurs Dresden, Liederabend zum Beginn des Spanienkrieges (1936–1939) vor 90 Jahren

Wir erinnern mit einem Liederabend an den Spanienkrieg, der im Sommer 1936 vor 90 Jahren ausbrach und als Spanischer Bürgerkrieg in die Geschichte einging. Wir erinnern an den Versuch europäischer Antifaschist*innen, mit der Verteidigung der Zweiten Spanischen Republik gegen die Franco-Truppen, den Faschismus und die Rechten – nach dem Scheitern in Deutschland und Italien, Portugal … – wenigstens in einem Land in Europa zu besiegen. Seid gespannt auf Hintergrund zum Spanienkrieg, auf Lieder, auf Biografien von Kämpfenden aus Dresden, Chemnitz, Leipzig, der Sächsischen Schweiz etc., auf Bilder …

Wir freuen uns, dass wir Roland Hering aus Radebeul zu unserem Liederabend begrüßen dürfen. Er ist der Sohn des Interbrigadisten Antrag, über dessen Leben er in Auszügen berichten wird.

Eintritt frei.

Aber bitte trotzdem Bargeld mitbringen! NEIN! zur Bezahlkarte

Das kaffee konkurs ist ein fester Tauschort der Initiave „NEIN! zur Bezahlkarte“. Ihr könnt dort Bargeld gegen Gutscheine von vielen gängigen Supermärkten und Drogeriemärkten tauschen und damit konkret Asylsuchende unterstützen, die ansonsten über kein Bargeld verfügen, sondern nur über die sogenannte Bezahlkarte. Das kaffee konkurs und die Ini werden den Vorrat extra nochmal auffüllen!
Kontakt und Infos zur Gruppe „Nein! Zur Bezahlkarte Dresden“ gibt es hier und hier.

Zweite Landeskonferenz der VVN-BdA Sachsen

4. September 2026

Sie findet am 12. September 2026 von 10.00 bis 12.00 Uhr in Leipzig statt. Im Anschluss, ab 13.00 Uhr findet die Veranstaltung „‚Antifa, ja klar!‘ – Zur Faschisierung in Deutschland und wie wir handlungsfähig bleiben“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Gesellschaftsanalyse und politische Bildung e.V. statt. Wir laden alle Mitglieder unserer Landesvereinigung herzlich zur Teilnahme ein.

Der Tag endet mit einem Gedenken an den Spanienkämpfer Arno Nitzsche in der Leipziger Arno-Nitzsche-Straße.

Am 30. Mai 2026 fand unsere erste Landeskonferenz in diesem Jahr statt. Sie hatte den Arbeitsschwerpunkt „Finanzen, Friedenspolitik und Zukunftssicherung„. Am Nachmittag fand in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung eine Debatte zur Friedenspolitik unter dem Titel „Auf dem Weg in die (rechte) Militärrepublik?“ statt. Vor allem seit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ist das Thema sowie unsere Position dazu wieder äußerst relevant.

Die LAG KZ Hohnstein lädt ein

20. Februar 2026

Zu einer besonderen Gedenkveranstaltung lädt die LAG KZ Hohnstein am 14. März 2026 an die Burg Hohnstein ein.

Mit dem 1. Hohnsteiner Dialog erinnert die Lagerarbeitsgemeinschaft (LAG) an die Errichtung des Frühen KZ auf der Burg Hohnstein und damit an die gewaltsame Errichtung einer Diktatur, die zwölf Jahre andauern konnte. Im Zentrum der Erinnerung stehen jene Menschen, die im KZ Hohnstein ermordet wurden, ihren Verletzungen erlagen, sich das Leben nahmen oder an den Haftfolgen gestorben sind, sowie jene, die die dort verübten ersten nationalsozialistischen Verbrechen überlebten. Mit einer Ausstellung erinnern Mitglieder der erst im März 2025 gegründeten Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Hohnstein an Menschen, die im KZ Hohnstein inhaftiert waren.

Ablauf: 11:00 Uhr Gedenken am Denkmal vor der Burg
Begrüßung: Steffen Richter (LAG KZ Hohnstein)
Grußworte: Daniel Brade (Bürgermeister von Hohnstein)
Reden von Gabriele Hahn und Theres Schimansky (LAG KZ Hohnstein)
Musikalische Begleitung: Elbsandsteiner Blasmusikanten

Zum anschließenden Niederlegen von Kränzen und Blumen sind alle herzlich eingeladen.

Direkt im Anschluss (spätestens 11:45 Uhr) wird auf der Burg Hohnstein die Ausstellung „Zwölf Porträts – Häftlinge des KZ Hohnstein 1933–1934. Eine Ausstellung der Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Hohnstein“ eröffnet. Eröffnungsworte: Katharina Wüstefeld (LAG KZ Hohnstein).

Mehr Informationen zum 1. Hohnsteiner Dialog

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

20. Februar 2026

Am 27. Januar, dem „Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus“, gedachten über 100 Pirnaer*innen den 6 Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden und unzähligen weiteren Opfern der faschistischen Schreckensherrschaft 

An diesem wintertrüben, nasskalten Januartag versammelten sich in der elften Stunde nach und nach etwa 100 Menschen am Denkmal für die Opfer des Naziregimes. Zum jährlichen Gedenken hatte Landrat Michael Geißler eingeladen. Der Posaunenchor der evangelischen Kirchgemeinde verlieh der Zusammenkunft zusätzliche Würde. Anwesend waren Vertreter*innen verschiedener Parteien und Organisationen u. a. Superintendentin Brigitte Lammert. Sie säumten mit vielen Blumen den Platz vor dem Mahnmal. 

Punkt 11 Uhr eröffnete Landrat Michael Geißler die Gedenkveranstaltung mit einer kurzen, prägnanten Rede. Er verwies auf die doppelte Bedeutung dieses 27. Januar 2026. An diesem Tag befreite die Sowjetarmee 1945 die noch 7.000 Häftlinge des Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Und auf den Tag genau vor 30 Jahren erklärte der damalige Bundespräsident Roman Herzog diesen Tag zum alljährlichen Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Seitdem wird dieser bundesweit, so auch in Pirna, mit der Anteilnahme vieler Bürger*innen begangen. Mit nachdrücklichen Worten erinnerte Michael Geisler an die mörderischen Verbrechen der Nazi-Schreckensherrschaft. Millionen und Abermillionen Menschen trieb sie mit ihren Angriffskriegen, dem Terror in den Konzentrationslagern und mit unmenschlicher Zwangsarbeit in den Tod. Erinnern und Gedenken muss heute bei jedem einzelnen Menschen heißen: die richtigen Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen, in der Gegenwart höchst wachsam zu sein gegenüber Rechtsextremismus und erneutem nazistischem Gedankengut und engagiert für eine demokratische, friedliche und menschenwürdige Zukunft eintreten. Immer weniger Zeitzeug*innen können uns in dieser Gedenkarbeit unterstützen. Umso mehr braucht es Anstrengungen, insbesondere auch jungen Menschen die Konsequenzen aus den Verbrechen des Hitlerregimes nahezubringen.

Danach hielt Steffen Richter, Vorsitzender des Regionalverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge der VVN-BdA eine viel beachtete Ansprache. Er zitierte anfangs ein anrührendes Gedicht der Holocaust-Überlebenden Tamar Radzyner. Nach der Verlegung von Auschwitz in das KZ Stutthof und weiter in ein Dresdner Außenlager des KZ Flossenbürg gelang ihr auf dem Weg zum KZ Mockethal-Zatzschke die Flucht bis nach Polen. Mit ihrem Gedicht „Das Wörtchen“, damit meint sie das von den Faschisten verwendete, entwürdigende Wort „Jud“, geißelt sie Versuche der Verharmlosung und Verdrängung der faschistischen Judenverfolgung und –vernichtung, in der Nachkriegszeit. 

Steffen Richter verwies auf die eine Million Menschen, die binnen vier Jahren allein im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurden. Dabei war das KZ Auschwitz eines von insgesamt 1000 Konzentrationslagern ab 1940 unter staatlicher Aufsicht. In der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad  Vashem befindet sich das “Denkmal für die Kinder“, das den 1,5 Millionen ermordeten jüdischen Kindern gewidmet ist. Von einem Tonband sind der Name, das Alter und der Geburtsort jedes einzelnen Kindes zu hören. Das Tonband braucht etwa drei Monate, um alle Namen wiederzugeben. Dann beginnt die Wiedergabe von vorn. Es war zu spüren, wie tief die Versammelten diese Aussage in sich aufnahmen.

Im Weiteren nannte Steffen Richter die Namen von 16 Frauen, die in Pirna und in der Region lebten und den Nazis zum Opfer fielen. Besonders würdigte er die parteilose Charlotte Prozeck, die aus dem Lohmgrund in Großcotta stammte. Die junge Frau transportierte antifaschistische Literatur. „Lotte“ wurde 1934 festgenommen. Damals war sie 24 Jahre alt. Sie befand sich 18 Monate in Untersuchungshaft, ohne auch nur ein Detail ihrer Widerstandsarbeit zu verraten. Bis heute ist nicht bekannt, was aus ihr wurde.

„Geben wir den den Opfern ein Gesicht!“, forderte Steffen Richter. Dabei merkte er kritisch an, dass er sich wünschen würde, dass sich gerade die Schulen der Region in den Prozess der antifaschistischen Gedenkarbeit einbringen. Er schloss seine Ansprache mit einem Zitat des ehemaligen Bundesvorsitzenden der VVN und jüdischen Widerstandskämpfers, Peter Gingold:

„Unsere Eltern haben versagt, denn sie haben nicht zusammengefunden, um den Faschismus rechtzeitig zu bekämpfen. Dafür gibt es nur eine Entschuldigung: Sie wussten nicht, was Faschismus an der Macht bedeutet. Für uns gilt diese Entschuldigung nicht.“

Nach dieser Ansprache legten die Teilnehmer*innen am Mahnmal in einer sehr würdigen Atmosphäre ihre Blumen nieder. Selten bin ich so nachdenklich nach Hause gegangen, wie nach dieser dieser Veranstaltung. 

Günter Tischendorf  Mitglied der VVN-BdA

Ergänzungen zum Bericht von Günter Tischendorf

Nachvollziehbarer Weise fühlten sich Teilnehmende der Veranstaltung in Pirna durch die Anwesenheit des OB Tim Lochner („Mich trennt von der AfD gar nichts – außer das Parteibuch“) mindestens unwohl. Immer wieder stellte er sich in der Vergangenheit gegen den Pirnaer CSD und stellte dabei sogar einen Bezug zwischen Regenbogen- und Hakenkreuzfahne her. Mehrere Menschen nahmen die Anwesenheit von OB Lochner auch deshalb als Störung der wahr, eine Person äußerte dies auch lautstark am Ende der Gedenkveranstaltung. 

Am Nachmittag fand dann die Gedenkveranstaltung an der Burg Hohnstein statt. Etwa 30 Teilnehmende kamen zusammen und erinnerten dabei auch an das ehemalige Konzentrationslager, welches vom 1933 bis 1934 auf der Burg eingerichtet wurde. In Heidenau gab es die traditionelle Gedenkveranstaltung am Nordfriedhof. Hier wurde über das Leben von Hilde und Hans Coppi gesprochen. Die beiden Widerstandskämpfer*innen wurden von den Nazis in Berlin-Plötzensee ermordet. Die Veranstaltung endete mit einer Kranzniederlegung. Zur selben Zeit trafen sich hunderte Menschen am Bahnhof Dresden-Neustadt, um an die Deportation jüdischer Dresdner*innen zu erinnern. Dabei waren auch Mitglieder unserer VVN-BdA, die mit dem antifaschistischen Chor Pir-Moll die Veranstaltung am Denkmal unterstützten. 

Stadtrundgänge in Heidenau und Pirna in Erinnerung an die Novemberpogrome 1938 

17. November 2025

Am zweiten Wochenende im November fanden in Heidenau und Pirna Stadtrundgänge zum Gedenken an die antisemitischen Novemberpogrome von 1938 statt. Diese von den Nationalsozialisten organisierten und gesteuerten Übergriffe ereigneten sich auch in unserer Region. Mit den Veranstaltungen wollten wir an die lokalen Geschehnisse erinnern und über die Schicksale betroffener Menschen informieren.

Am Abend des 8. November trafen sich die Teilnehmenden am Platz der Freiheit in Heidenau. Im Mittelpunkt standen die Geschichten der Familien Berger sowie Reiner/Käthe Mickwausch.

Bernhard Berger wurde am 9. November 1938 im Zuge der Novemberpogrome verhaftet und ins KZ Buchenwald deportiert, wo er die Häftlingsnummer 23264 erhielt. Maximilian Reiner wurde am 11. November 1938 verhaftet und nach Dresden verschleppt. Im Gegensatz zu vielen anderen blieb ihm die Deportation nach Buchenwald erspart – er wurde nach einigen Tagen wieder entlassen. Seine Verfolgung endete damit aber nicht.

Am folgenden Tag fand die Gedenkveranstaltung in Pirna statt. Steffen Richter, Sprecher der VVN-BdA Region SOE, begrüßte rund 30 Teilnehmende am VVN-Denkmal. Der Rundgang führte vorbei am Stolperstein für den KZ-Dachau-Überlebenden Benno Scholze und weiter zur Fronfeste, einer frühen Haftstätte der Nationalsozialisten, in der auch der jüdische Zahnarzt Max Tabaschnik inhaftiert war.

Traditionell sprach dann Jutta Häcker (Ortsverband DIE LINKE) an der Gedenktafel für das zerstörte Bekleidungsgeschäft von Wolf Jurmann am Markt. Den Abschluss des Stadtrundgangs bildete die Geschichte der Porschendorfer Familie Scooler.  Rose Scooler überlebte das KZ Theresienstadt und verarbeitete ihre Erlebnisse in Gedichten. 

Beim gemeinsamen Essen und Austausch konnte die Veranstaltung in der K2 Kulturkiste ausklingen. Wir danken allen Teilnehmenden beider Veranstaltungen und hoffen, auch im kommenden Jahr wieder viele Menschen zu den Gedenkveranstaltungen begrüßen zu dürfen. Ebenfalls möchten wir uns bei allen Menschen bedanken, die auch in diesem Jahr wieder Stolpersteine geputzt haben, so dass sie auch an diesem Tag deulich sichtbar waren.

Landeskonferenz 2025 in Frankenberg 

4. September 2025

Auch in diesem Jahr fand die Landeskonferenz der  VVN-BdA Sachsen als Gesamtmitgliederversammlung statt. Dazu trafen wir uns am 30. August 2025 im „Haus der Vereine“ Frankenberg, einem wirklich schönen und zentralen Veranstaltungsort. Mit sieben Mitgliedern war unser Regionalverband wieder gut vertreten. Derzeit existieren 11 Regional- bzw. Stadtverbände. 

Die Sprecherin unseres Landesverbandes, Kerstin Köditz, eröffnete die Konferenz und gab einen Rückblick über die letzten 10 Monate seit ihrer Wahl im November 2024. Es gab viele Herausforderungen, die insbeondere die Struktur der Vereinigung betreffen und an denen auch in den kommenden Monaten weiter gearbeitet werden muss. Doch auch einige Erfolge sind zu verzeichnen. Nicht zuletzt brachte sich der Landesverband in die Diskussionen zum 8. Mai als Gedenktag und die Forderung nach einer Finanzierung der Gedenkstätte Sachsenburg ein. Außerdem konnte mit unserer Unterstützung der Förderverein Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain den Bahnof Jacobsthal erwerben. Das Bahnhofsgebäude soll nun schrittweise zum einem Ort der Erinnerung und des Gedenkens gestaltet werden. Nach vielen Jahren kann er am 14. September 2025 im Rahmen  „Tag des Offenen Denkmals“ erstmalig für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden  und  ist zwischen 10 und 12 Uhr geöffnet.

Mit großer Mehrheit wurde der Leitantrag des Landesvorstandes angenommen. Er fasst noch einmal die wichtigen Arbeitsschwerpunkte der VVN-BdA zusammen: Erinnerungsarbeit, Antifaschismus und Friedensarbeit. Mit Blick auf die derzeitige politische Lage in Sachsen heißt es folgerichtig im Antrag: „Die Aufgaben, vor denen die VVN-BdA Sachsen steht, sind groß und sie wachsen weiterhin. Wir wissen, dass wir sie keinesfalls alleine bewältigen können. Als VVN-BdA Sachsen wissen wir, dass Bündnisarbeit im Bereich des Antifaschismus unverzichtbar ist.“

Zu einem Gedenken trafen wir uns dann nach dem Mittagessen am VdN-Denkmal im Volkspark und legten Blumengestecke nieder. Kerstin Köditz bezog sich in ihrer Rede auf die Worte des Auschwitz-Überlebenden Primo Levi: „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“ Bereits im vergangenen Jahr hatten wir die Konferenz genutzt, um am Denkmal in Sachsenburg zu erinnern. Eine gute und wichtige Aktion, die gern auch zu den kommenden Konferenzen fortgeführt werden kann. Link

Bevor wir zu den Nachwahlen kamen, berichteten die Kamerad*innen der Chemnitzer VVN-BdA über die Arbeit vor Ort. Mit der Erinnerungsbank und einem riesigen Wandbild, wird in Chemnitz an den Holocaust-Überlebenden Justin Sonder erinnert. Das Porträt auf einer Giebelwand an der Glockenstraße sprühte Falk Lehmann, alias AKUT. Im vergangenen Jahr lies das Internationale Auschwitz-Komitee in Kooperation mit der Stadt Chemnitz eine Skulptur, die Justin Sonder sitzend auf einer Bank darstellt, auf dem Brühl aufstellen. 

Bei den Nachwahlen zum Landesvorstand konnten zwei neue Mitglieder gewonnen werden. Die Regionen Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Leipzig werden nun mit je einem Vertreter dem neuen Vorstand angehören. Ingrid Heyser (Bautzen) schied nach langjähriger Tätigkeit im Vorstand aus. Sie wird aber selbstverständlich weiterhin in ihrer Region aktiv bleiben. 

Ein weiterer Antrag beschäftigte sich mit der Fortsetzung unserer Bildungsarbeit anlässlich des 80. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus und dem Ende des Zweiten Weltkrieges unter den erschwerten Bedingungen rechter Mehrheiten in Kommune, Land und Bund. Als einen wichtigen Punkt enthält der Antrag die Erstellung einer Übersicht über Gedenksteine und Erinnerungsorte. Dabei soll die Zusammenarbeit mit vorhandenen Projekten, z. B. der Webseite „gedenkplaetze.info“ angestrebt werden. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

Deutlich wurde bei unserer Konferenz aber auch, dass es innerhalb der VVN-BdA Sachsen eine Verständigung zu Schwerpunkten und Inhalten antifaschistischer Arbeit unter den aktuellen Bedingungen in Sachsen braucht. Es braucht auch weiterhin eine Vermittlung zwischen den Mitgliedern und ihren individuellen Schwerpunktsetzungen in der Vereinsarbeit – aber es braucht auch weiterhin die klare und konsequente Abgrenzung gegenüber Organisationen der extremen Rechten. So heißt es eben auch im beschlossenen Leitantrag: „An Bündnissen, Aktionen oder Demonstrationen, an denen Gruppierungen der extremen Rechten beteiligt sind, werden die VVN-BdA Sachsen, ihre Gliederungen und Mitglieder nicht teilnehmen.“

Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus! 

Kunst • Verfolgung • Widerstand

17. August 2025

„Ich möchte euch genau deshalb die Kunst zeigen, die es nach Auffassung der Nazis eigentlich nicht mehr geben dürfte … und ich möchte euch damit auch diejenigen, die sie erschaffen haben vorstellen. Was ihr hier seht, sind Werke aus einem Zeitraum von etwa 70 Jahren.“

Am 8. August wurde in der Pirnaer K2 Kulturkiste die Ausstellung „Kunst • Verfolgung • Widerstand“ eröffnet. Sie zeigt eine bemerkenswerte Sammlung von Werken verfolgter Künstler*innen. Der Großteil von ihnen war Mitglied in der Assoziation revolutionärer bildender Künstler, die kommunistische Organisationen unterstützten. So wurden Plakate für die KPD entworfen aber auch Bühnenbilder für Arbeitertheater.  

Sechs Bilder und Biografien wurden nach der Begrüßung genauer vorgestellt. Es waren unter anderem Werke der früheren Hohnstein-Häftlinge Johnny Friedlaender und Fritz Schulze. Während Friedlaender den Nationalsozialismus überlebte, töteten die Nazis Fritz Schulze 1942 in Berlin-Plötzensee. Zu sehen sind seine Drucke „Spanischer Arbeiter“ und „Hungrige Katze“.  

Wir empfehlen den Besuch der Ausstellung, die ihr bis Oktober jeden Donnerstag von 14-17 Uhr anschauen könnt. Darüber hinaus können unter kontakt@akubiz.de andere Termine vereinbart werden. Am 18. August findet im Rahmen einer Fahrradtour eine weitere Veranstaltung statt, welche die Ausstellung in Pirna zum Ziel hat. Los geht es 17 Uhr am Haltepunkt Dresden-Dobritz.

VVN-BdA SOE bei Befreiungsfeiern

2. Juni 2025

In den vergangenen Wochen nahmen wir an verschiedenen Veranstaltungen zm 80. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus teil.

Gedenkstätte Flossenbürg

Am 27. April trafen wir dabei in der Gedenkstätte Flossenbürg langjährige Weggefährtinnen wieder. Insbesondere freuten wir uns über den Austausch mit Josef Salomonovic, der als der letzten Überlebenden nach Flossenbürg reiste. Er wurde es Kind auch ins KZ Mockethal-Zatzschke (Pirna) verschleppt. Im Namen der VVN-BdA SOE und des AKuBiZ e. V. legten wir im „Tal des Todes“ Gebinde nieder. Über 800 Menschen waren bei einer interkulturellen Beisetzung sterblicher Überreste dabei, die bei Bauarbeiten gefunden worden waren. Eine sehr bewegende Rede hielt die Tochter des KZ-Überlebenden Leon Weintraub.

Gedenkort Uckermark und Gedenkstätte Ravensbrück

Am 3. und 4. Mai beteiligten wir uns an zwei Gedenkveranstaltungen in Brandenburg. Die Befreiungsfeier fand auf dem Gelände des ehemaligen KZ Uckermark statt, im Gedenken an die Frauen* und Mädchen*, die 1942—1945 im Jugendkonzentrationslager und 1945 im Vernichtungsort gequält und ermordet wurde. Dort trat unter anderem der antifaschistische Chor Pir-Moll auf.

Einen tag später kamen dann über 1500 Menschen aus der ganzen Welt und nahmen an der Veranstaltung der Gedenkstätte Ravensbrück teil. Zu den Redner*innen beider Veranstaltungen gehörte Ingelore Prochnow, die im April 1944 im Lager geboren wurde. „Ich bin eine Überlebende, eine Zeitzeugin, jedoch ohne eigene Erinnerung. Ich kann nur berichten über das Leben meiner Mutter, meines Vaters und über die Auswirkungen auf mein eigenes Leben. Es ist ein Stück Zeitgeschichte mit traumatischen Folgen, die bis in die heutige Zeit hineinreichen, bis in meine eigene Familie.“

8. Mai – Tag der Befreiung

17. April 2025

Veranstaltungen am Tag der Befreiung im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Am 8. Mai 1945 wurde nahezu ganz Europa von der Geißel des Faschismus befreit. In Deutschland erlebten in erster Linie die überlebenden Verfolgten und Widerstandskämpfer*innen diesen Tag als Befreiung. Aber auch wir alle, die wir heute leben, verdanken die Möglichkeit eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den Siegern des 8. Mai 1945.

Mit besonderer Dankbarkeit erinnern wir auch an den Beitrag, den der antifaschistische Widerstand in Deutschland, in der Emigration, als Teil von Partisan*innenverbänden und in den Streitkräften der Anti-Hitler-Koalition geleistet hat.

An folgenden Orten finden Gedenkveranstaltungen statt:

• 8. Mai, 17 Uhr – Sowjetischer Ehrenfriedhof Dippoldiswalde
• 8. Mai, 17-18 Uhr – Sowjetischer Ehrenhain in Pirna-Rottwerndorf
• 8. Mai, 18 Uhr – Denkmal am Platz der Freiheit in Heidenau

Wir werden weitere Veranstaltungen im Landkreis ergänzen. Hinweise dazu nehmen wir gern auf.

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